Placevaventura | Weihnachtswunder
Endlich hatte es das Leben gut mit uns gemeint. Die Zusammenführung von Solana und mir war das Date unseres Lebens und der Anfang von einem Traum.
Hunde, Tierschutz, Checkliste, Hundesport, Reisen mit Hund, Tierverein, Solana, Mischling
16132
post-template-default,single,single-post,postid-16132,single-format-standard,ajax_fade,page_not_loaded,,qode-title-hidden,qode_grid_1300,footer_responsive_adv,qode-theme-ver-10.0,wpb-js-composer js-comp-ver-4.12,vc_responsive

Wenn Wunder tatsächlich geschehen

Glückseligkeit. Freudentränen. Erlösung. Seelenrettung. Solana. Wie ich diesen Moment schon sehnlichst erwartet habe, kann ich kaum in Worte fassen. Am Sonntag, den 4. Dezember um 13:09, war es endlich soweit! Die langersehnte Ankunft meines Sonnenscheins Solana stand bevor und diesmal ohne plötzliche Bürden oder Steine, die sich sprichwörtlich in den Weg legten.

Wie in meinem ersten Beitrag über sie angekündigt, entspricht sie wirklich einem Wunder, meinem ganz persönlichen Weihnachtswunder.

Dabei war der Weg bis dahin alles andere als wundervoll, im Gegenteil. Die größte und nervenaufreibendste Geduldsprobe, der ich mich leider gezwungenermaßen stellen musste.

Solana stammt ursprünglich aus einem Brester Tierheim, das jeden Tag aufs Neue kämpft, um alle Tiere und Schützlinge erfolgreich an temporäre Pflegestellen oder fixe Adoptiveltern zu vermitteln. Denn der bittere Beigeschmack bzw. Schatten, dem sich das Heim nicht entziehen kann, ist die bevorstehende Schließung und das damit einhergehende Lebensende der verbliebenen Seelen. Mir bleiben keine Worte für diese Tragödie. Die Zeitbombe tickt und das nicht mehr lange, bis sie explodiert……

15079070_1790672244535822_4302159975580739871_n

© Tierheim Dobrota, Brest, Weißrussland

Ein Team, das kämpft wie ein Rudel Löwen für ihre Herde. Aufopfernd, wochenlang, Tag und Nacht. Als gäbe es nur diese eine Mission in ihrem Leben: Leben retten! <3

Die Bestätigung über die Ausreise von Solana stand bereits in der letzten Oktoberwoche fest und bedeutete somit, dass im nächsten Zuge der Transport eingeleitet wird, um sie sicher nach Österreich zu bringen. Anfangs standen alle Zeichen dafür, dass ich sie bereits nach meiner Rückkehr aus Teneriffa erwarten dürfe. Der Gedanke daran machte die Rückreise geradezu einfach – wo ich doch sonst eher schrecklich leide, wenn ich die Heimkehr antreten muss. Ein richtiger Zugvogel eben!

Leider ging es aber dann doch nicht so schnell, wie gedacht und geplant. Immerhin stand fest, dass Solana bald auf die Reise geschickt werden sollte, also ganz oben auf der Liste stand. Und dann kam die Schocknachricht! Die polnischen Zollbeamten stellten sich quer und ließen aus unerfindlichen Gründen den Großtransport von 40 Tieren nicht über die Grenze. Mit Solana an Bord! Nach mehrfachem Schichtwechsel, wechselnden Aussagen und Kontrollen der Papiere und jeder Menge Schikane, musste der Transporter nach mehr als 24 Stunden Wartezeit umkehren. Vor allem auch zum Wohle der Tiere. Dieser Vorfall bedeutete für das gesamte Team einen herben Rückschlag, da nun die Gefahr drohte, jedes Mal aufs Neue vor verschlossenen Toren anzukommen und nicht durchgelassen zu werden. Der Kampf ging in die zweite Runde und verlangte viel Flexibilität und Improvisation von allen Beteiligten ab. Die Lösung bestand darin, neue Routen auszuprobieren und über Privatpersonen kleinere Tiergruppen außer Landes zu bringen. Die Vorbereitungen liefen auch Hochtouren. Jeden Tag konnte es soweit sein, dass Solana diesmal unter den Glücklichen ist.

Dann kam ein Lichtblick, der mich in absolute Euphorie versetzte. Über eine private Facebookgruppe angekündigt, bekamen alle Adoptanten die Info, dass der nächste Transport für Österreich, unter anderem Wien, angesetzt ist. Es folgten zahlreiche Nachrichten, aber meine Augen suchten nur einen Namen und zwar den meines Schützlings. Steht sie auf der Liste? Wann genau soll der Transport in Wien ankommen? Wie sieht es mit der Genauigkeit dieser Info aus? Und dann sah ich es: „1.) Danielle nach Wien“ und die Tränen rannen bereits meine Wangen hinunter. Wir hatten es geschafft! Das war mein erster Gedanke. Ich informierte meine gesamte Familie, ließ alle an meiner Freude teilhaben, bis der Schock folgte. „Wir haben gerade die Info bekommen, dass Danielle (heute Solana) sich nicht am Transport befindet.“ Schock. Angst. Verzweiflung.

Nein, das durfte einfach nicht wahr sein. Nun glichen meine Tränen nicht mehr Freudentränen, sondern der absoluten Panik und Angst. Was hieß, Solana befände sich nicht am Transport? Schon lange fühlte ich mich nicht mehr dermaßen verloren und hilflos. Ich hatte die Hoffnung verloren und wusste, es sind nur noch ein paar Tage bis zur Schließung. Was sollte ich tun? Ich musste doch etwas in Bewegung setzen und nicht tatenlos warten, einfach nur warten. Denn eines wollte und konnte ich mir einfach nicht vorstellen. Wenn der Kampf für Solana ohne Erfolg wäre, wenn sie ihn verlieren würde. Dieses Ende würde mein Ende bedeuten. Vorwürfe bis an mein Lebensende, obwohl ich sie doch eigentlich gar nicht kannte. Aber wie soll ich es sagen? Wir haben uns gesehen und gefunden, ein Bild hat gereicht und mein Herz gehörte ihr, meiner wunderschönen Prinzessin.

Es konnte doch nicht so schwierig sein, Leben zu retten? Wer machte es uns bloß so schwer, einfach zueinander zu finden? Warum war das Leben manchmal so hart?

Nun galt, alles auf eine Karte zu setzen und aktiv zu werden! Mein Vater übernahm hier die alles entscheidende Rolle und informierte seine Bekannten in Russland. Die wiederum kontaktierten direkt das Tierheim in Brest und erkundigten sich nach Solanas Zustand und dem Grund für den gescheiterten Transport. Die Antwort ließ mir das Blut noch mehr gefrieren. „Solana hat eine große Bisswunde hinter dem Ohr, erhält Antibiotika und wurde aus Sorge vor der langen Reise nicht mitgeschickt. Ihr Zustand ist stabil, alles gut.“

Ich weiß nicht, welche Nachricht schlimmer war, aber das schlechte Gefühl und die Panik stiegen zunehmend an. Zudem konnte mir leider niemand die genaue Auskunft geben, wann der nächste Transport geplant war, da sich aufgrund der gesamten Situation und Routenverschiebung die Organisation der Ausreise als beinahe unmöglicher Teufelskreis entpuppte. Bis zum Passieren der Grenze wusste niemand gewiss, ob es die Tiere schaffen würden oder umkehren mussten. Als hätten sie nicht schon genug durchgemacht!

Es gab also nur noch zwei weitere Möglichkeiten. Selbst nach Brest zu fahren und sie da herauszuholen oder die russischen Bekannten um Hilfe zu bitten und Solana temporär bei sich aufzunehmen. Das wurde dem gesamten Team kommuniziert. Was daraufhin geschah, veränderte alles. Sichtlich beeindruckt von unserem Engagement, meldeten sich die Brester Tierheimmädls direkt bei meiner Bekannten und waren sichtlich gerührt, dass eine ihrer Schützlinge so sorgenvoll erwartet wird. Es folgten einige Gespräche mit weiteren Organisatoren und dem Austausch über Solana. Zugegeben, ich war kein leichter Umgang, da ich kontinuierlich allen auf die Nerven ging. Fragen über Fragen stellte und keine Ruhe gab. Ich wollte nicht aufgeben und am Ende nicht mit der Frage zurückbleiben „Warum?“ „Hätte ich doch nur mehr gemacht.“

Der Monat November neigte sich dem Ende zu, nun zählte jeder Tag! Inzwischen hatte das Tierheim eine Schonfrist mit der Tötungsstation aushandeln können, sodass die Hoffnung nach dem 1. Dezember weiterging. Am Samstag folgte dann die entscheidende Info. „Folgende Hunde, auch Solana, werden mit dem nächsten Transport um 18:00 losgeschickt. Weitere Infos folgen noch.“

Traumatisiert von den letzten Malen entschied ich gefasst zu bleiben. Ich brauchte fixe Fakten, um nicht nochmals enttäuscht zu werden. Und dann folgten sie auch bereits kurz vor Mitternacht „Sie haben beide polnische Grenzen passiert.“  Meine beste Freundin blickte mir in die Augen, beide strahlten wir vor Glück und konnten es nicht glauben. Nun schenkte uns, Solana und mir, das Leben nach allen Geschehnissen, eine gemeinsame Zukunft. Sie bekam ihre zweite Chance!

Während sich ganz Österreich mit dem Ausgang der Bundespräsidentenwahl auseinandersetzte, hatte ich nur Solana im Kopf. Zu Mittag stand unser erstes Aufeinandertreffen bevor, die Transportübergabe. Endlich sollte es soweit sein! Jeden Moment konnte es klingeln, das tat es aber nicht. Dafür bekamen wir eine Nachricht auf Facebook „Der Fahrer ist da.“ Wie von Sinnen packten wir Leinen und Geschirre zusammen, liefen vor die Türe und tatsächlich: da stand ein Kleintransporter aus Weißrussland. Gespannt warteten wir vor der Kofferraumtür. Sie öffneten sich und zu Gesicht bekamen wir verängstigte, ruhige Hunde in Käfigen und Transportboxen, die leider keine Ahnung hatten, am Weg der Rettung zu sein. Der Anblick ließ mir den Atem stocken, all’ die Verzweiflung kam mit einem Mal hoch, das Ausmaß des Elends in Brest war hautnah mitzuerleben. Der Geruch von Todesangst lag in der Luft, der auch uns packte. Und dann sah ich Solana. Sie war da, es gab keine Zweifel mehr. Ich nahm sie entgegen, überquerte die Straße, um sie wegzuführen von dem Lärm und spazierte in die Felder mit ihr. Gepackt von den vielen Emotionen, die sich in mir all’ die Wochen gesammelt hatten, die Ängste um sie, die Enttäuschungen der missglückten Transporte – alles kam mit einem Schlag hoch und übermannte mich wie eine Lawine. Ich weinte vor Glück und Erleichterung, wie ich es noch nie erlebt habe. So fühlt es sich also an, Leben zu retten. Ein magischer Moment, der in meine persönliche Geschichte eingeht und der Anfang von allem ist: ein Leben mit meiner Heldin Solana. <3

Endlich bist du da mein Engel! Vom heutigen Tag an werde ich dir nie wieder von der Seite weichen, nun bist du in Sicherheit. Dein Leben lang!

Mein Herz ist mit Glück erfüllt, mein Dank grenzenlos. Das gesamte Team, das hinter dieser Rettungsaktion steht, leistet Unmenschliches! Ihr seid die wahren Helden dieser Geschichte, ein Hoch auf euch und ich hoffe sehnlichst, dass das Leben für alle Tiere eine Fortsetzung findet, in Familien, die all‘ ihre Liebe schenken können! Noch ist keine Hoffnung verloren, Schutzengel sind jederzeit gefragt. Hier findet ihr die Infos, falls ihr Leben retten könnt und wollt: Tiere aus Brest in Weißrussland suchen ein liebevolles Zuhause

Eva Kaiblinger
contact@placevaventura.com

Person und Bloggerin mit Herz und Leidenschaft für Sport & Fitness, Hunde und das Tanzen.

No Comments

Post A Comment

*