Placevaventura | Suchtpotenzial
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Suchtpotenzial

Sport kennt keine Grenzen. Es wird trainiert, bis jegliche Willens- und Körperkraft entschwindet und nichts mehr übrigbleibt als gähnende Leere. Wenn der gute Vorsatz zum allgegenwärtigen Druckmittel wird, wechseln sich Schweinehund und Sportsucht im Schlagabtausch ab. So oder doch anders?

Wer kennt es nicht? Es gibt diese Phasen der unbändigen Energie und übertriebenen Aktivität, in denen sich Sport als Erlösung anfühlt und der Trainingsbeginn wie im Rausch herbeigesehnt wird. Im Kontrast dazu steht der Prokrastinierer, der nach kurz aufwallenden Motivationsschüben dann doch jedes Mal wieder gute Gründe für einen Aufschub findet. Die Gründe für das Alternativprogramm und gegen den Sport können schließlich sehr überzeugend sein. 😉

Ich bin die gute, erfrischende Mischung aus beiden Phänomenen, wobei ich die letzten Monate die Rolle des Bewegungsbescheidenen relativ gut gemimt habe. Auszehrende Projektarbeiten, nie enden wollende Arbeitstage und regelrechte Erschöpfungszustände. Ausreden oder gut gewählte Erholungsphasen?

Sport ist Mord

Ob Ausdauer- oder Kraftsport, der Leistungsgedanke spielt oft eine entscheidende Rolle bei vielen Sportbegeisterten, die man auf den Straßen Wiens als Jogger erkennt, im Fitnesscenter an den Langhanteln und Geräten beobachtet oder bei Sportveranstaltungen fasziniert beäugt. Die Faszination für regelmäßige Bewegung nimmt oft sehr schnell Überhand, der gelegentliche Joggingausflug wird rasch zum notwendigen Übel – ganz gleich ob zu ausgiebige Essorgien, ästhetische Mindestansprüche oder der mentale Ausgleich zum Alltagswahnsinn Auslöser sind. Sport wird mit einem Leistungsanspruch assoziiert. „Ich muss heute 5 Kilometer laufen, damit ich beim nächsten Mal bereits eine Verbesserung habe.“ Oder „Heute trainiere ich eine halbe Stunde länger, weil ich sonst das Gefühl habe, das nichts weitergeht.“ Stellt sich die Frage, warum genau denn etwas „weitergehen“, sich verbessern soll?“ Ist es das Ego, sind es die eigenen Ansprüche oder das Gefühl des schlechten Gewissens? Bewegung wird zum Zwang, der Zwang zum Motivator für regelmäßige Sporteinheiten.

Einzelkampf

Ich nehme mich selbst nicht heraus. Wer mich kennt, weiß Bescheid über meine oftmals nicht nachvollziehbare Unzufriedenheit und der Verbissenheit etwas zu erreichen; sich selbst zu befriedigen. Doch ich frage mich seit kurzem, warum ich Sport nicht primär um des Sports willen betreibe? Ich liebe Sport und das Gefühl der Endorphine, die mich nach jeder Einheit durchströmen. Aber warum muss immer ein Ziel dahinter stehen? Warum kann ich nicht einfach genießen und mich einfach an jeder neuen Übung erfreuen und aufhören, wenn alles in mir nach einem Ende schreit?

Aus unaufhaltsamer Sporteuphorie kommt schnell Frustration zum Vorschein. Wenn die erwartete Wiederholungszahl einer Übung nicht klappt, die Beinmuskulatur bereits bei der zehnten Wiederholung brennt und die Luft bereits nach drei Kilometern motivierten Joggens ausbleibt – Gefühle des Scheiterns machen sich breit und zeigen wieder einmal, wie fern das erwartete Ziel bleibt. Nein, danke!

Ich habe genau aus diesen Gründen oft meine regelmäßigen Krafteinheiten gegen ein bequemes, befriedigendes Couchknotzen eingetauscht. Warum? Weil ich dachte nicht gut genug zu sein, nicht ausreichend zu performen.

Loslassen

Rückblickend betrachtet bin ich bestürzt über meinen konsequenten Kampf, den ich mit mir selbst geführt habe. Ich erschwere mir stetig das Leben, obwohl ich kaum etwas mehr liebe als die Bewegung und den Endorphinrausch nach einer schweißtreibenden Sporteinheit. Tja, blöd gelaufen oder eben nicht. 😉

Nicht spät genug, um verworrene Gewohnheiten zu lösen und jeden Tag mit neuem, gelösten Mindset in den Tag zu starten. Ich lasse es wieder ruhig, dafür aber bewusst angehen. Ich genieße den Moment jeder einzelnen Bewegung, den Muskelreiz und das Adrenalin, das durch den Körper rast. Ich bewege mich bewusst und weiß sogleich auch, warum ich es tue. Weil es mir, meinem Körper und meinem Geist gut tut. Wenn ich Lust auf Sport habe, dann gebe ich mich dem hin. Wenn nicht, dann eben nicht.

Warum gebt ihr euch dem Sport hin? Was sind eure Zugänge? Ich bin gespannt auf geballten Austausch und freue mich über Kommentare. 🙂

Eure entspannte Eva

Eva Kaiblinger
contact@placevaventura.com

Person und Bloggerin mit Herz und Leidenschaft für Sport & Fitness, Hunde und das Tanzen.

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