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Lebensmüde

Kräfteraubend. Lebensbedrohlich. Schockerstarrt. Die letzten Tage gleichen einem Alptraum. Während ich der Realität zu entfliehen versuche, kämpft meine Pelzschönheit Solana verzweifelt um ihr Leben.

Einen Moment der Gedankenwelt hingebend und das Leben holte uns brutal und sprichwörtlich auf den Boden der Tatsachen. Während Solanas gezeichnetes Leben auf seidenem Faden hängt, versuche ich zu begreifen, was letzten Samstag passierte.

Traumaerlebnis

Samstagabend. Meine Mutter führt Solana ein letztes Mal kurz vor Nachtruhe vors Haus, nichtsahnend, dass sie im nächsten Moment um Solana und sich kämpfen muss. Ein Staffordshire rast auf die beiden zu und attackiert Solana, während der Besitzer torkelnd und aufgrund seines Alkoholpegels reaktionsunfähig nachstolpert. Der Hund verbeißt sich und lässt nicht mehr los, bis meine Mutter schließlich und endlich den Kampf gewinnt. Zumindest für den Moment.

Solana schwebt aktuell in Lebensgefahr und kämpft wie eine Löwin auf der Intensivstation um ihr betagtes und vor allem gezeichnetes Leben. Warum? Warum ließ das Leben es zu, dass ihr so Schreckliches widerfährt?

10. September 2018. Ein Kleinkind wird von einem Rottweiler in Wien tödlich verletzt. Die alkoholisierte Hundebesitzerin hat keine Kontrolle über ihren Hund. Eine Katastrophe ist die Folge, die mich bereits nach erstmaliger Berichterstattung mitgenommen und nachhaltig nachdenklich gestimmt hat.

Atemlos

Und nun befinde ich mich in derselben Situation und spüre das Leben an mir vorbeiziehen. Mein größtes Lebensgeschenk, das meinen Weg vor knapp zwei Jahren als animalischer Engel gekreuzt hat, befindet sich im Kampf um ihr Leben. Die Prognose? Ernüchternd.

Es liegt nicht in meiner Natur aufzugeben, genauso wenig in Solanas Vergangenheit. Geboren als ewigwährende Lebensbejaherin und Frohnatur, habe ich mich niemals vom Gegenteil überzeugen lassen. Und trotzdem fürchte ich mich, dass ihr Lebensweg bald eine Abzweigung vorsieht, vor der ich machtlos bin. Loslassen zählt ebenfalls nicht zu meinen Stärken.

Verantwortung steht nicht jedem gut

Getrieben von Wut, Unverständnis und dem Sinn für Gerechtigkeit kann ich nicht akzeptieren, dass die Vorfälle der letzten Zeit keine nachhaltigen, sinnvollen Veränderungen mit sich bringen sollen. Dabei erachte ich den Vorschlag von Alkoholpromillgrenzen für Hundebesitzer als Provokation. Welches effektive Kontrollorgan würde sich denn darum bitte kümmern?

Ein entscheidender, leider unterschätzter Faktor ist die Relevanz vorbildlichen Verhaltens des Hundebesitzers gegenüber dem Hund. Alkohol bedeutet Kontrollverlust, sowohl für Mensch als auch Tier. Und dies wiederum verunsichert das Tier und bestärkt ihm in der Sicherheit, für das Herrli oder Frauli zu sorgen und gegebenenfalls zu verteidigen. Die logische Konsequenz sähe also vor, Verantwortungsbewusstsein an den Tag zu legen und im Interesse des Tieres zu handeln.

Wie sieht die zukünftige Herangehensweise aus? Nur leicht beschwipste Hundebesitzer, die vielleicht in Glücksfällen drei Sekunden schneller reagieren können?

Striktes Alkoholverbot, Beißkörbe und kontinuierliche Trainingseinheiten wären Maßnahmen, die ich forcieren und selbst auch zweifelsfrei an den Tag legen würde. Wer würde das nicht tun, um ein Leben zu retten?

„Du lachst, willst aber weinen. Du sprichst, willst aber still sein. Du tust so, als wärst du glücklich, aber du zerbrichst gerade.“

Unermüdlich bete ich für meine Pelznase und kämpfe, dass sie bald schon wieder ihrer Lieblingsaktivität, dem Spazierengehen und neuen Lebensentdeckungen, nachgehen kann. Eine andere Option gibt es nicht, solange sie kämpft und am Leben festhält.

Was sind eure Gedanken zu der Thematik? Wie erlebt ihr als Hundebesitzer die Situation?

In Liebe und Hoffnung auf ein Happyend, 

Eva

Eva Kaiblinger
contact@placevaventura.com

Person und Bloggerin mit Herz und Leidenschaft für Sport & Fitness, Hunde und das Tanzen.

5 Comments
  • Beatrice Dürr
    Posted at 10:39h, 04 Oktober Antworten

    Ach Gott wie furchtbar! Mir fehlen die Worte aber ich möchte dies nicht unkonzentriert lassen. Fast den Tränen nah versuche ich meinen Gedanken Worte zu verleihen. Ich kenne solche Situation nur zu gut und hätte auch fast Ähnliches erlebt. Ich versuche, soweit es mir möglich ist, alkoholisierte Menschen mit meinem Hund zu meiden. Es gibt allerdings Menschen die mit ihren Hunden nicht umgehen können und daraus resultieren ganz furchtbare Geschehnisse. Ich drücke Solana ganz fest die Daumen und denke an sie. Alles Liebe, Bea

    • Eva Kaiblinger
      Posted at 13:59h, 11 Dezember Antworten

      Liebe Beatrice,

      vielen Dank für deine wundervollen, mitfühlenden Worte. Wie du inzwischen weißt, hat es Solana leider nicht geschafft, sodass ich das Thema so gut wie ständig meiden muss. Gerade jetzt kurz vor Weihnachten fällt es mir besonders schwer, weil das unsere gemeinsame Zeit war. Sie liebte den Schnee und die Kälte und kam im Dezember vor zwei Jahren zu mir. Umso schöner ist es jetzt deinen Kommentar von damals zu lesen. Das bedeutet mir sehr viel, danke dir. :-*

      Leider zeigt sich, dass nicht alle Hundebesitzer so reflektiert sind, da meist die Antwort folgt „Mein Hund macht sowas schlimmes nicht.“ In unserem Fall hat es das Leben von Solana gekostet. Ich würde mir nur wünschen, dass das niemand anderer mitmachen muss und die Hundebesitzer verantwortungsbewusst denken und agieren – und es nicht auf sich beziehen, sondern auf das Wohl der Allgemeinheit.

      Alles Liebe dir,
      Eva

  • Jasmin
    Posted at 11:57h, 06 Oktober Antworten

    Liebe Eva, was für ein herzzerreissender Beitrag. 🙁 Mir tut es unglaublich Leid was deiner Hündin passiert ist und ich bete dafür, dass sie den Kampf um ihr Leben gewinnt!

    Auch ich bin der Meinung, dass Beißkörbe, regelmäßige Trainingseinheiten und striktes Alkoholverbot durchgesetzt gehören. Erst gestern Abend habe ich am Weg nach Hause einen Mann beobachten können, der (man konnte es nicht übersehen) alkoholisiert mit seinem Hund durch die S-Bahn, in der reges Treiben herrschte, spazierte. Besser gesagt: der Hund (ich meine eine größere Bulldog-Rasse) zerrte sein Herrchen hinter sich nach und dies mit solcher Kraft, dass ich jeden Moment daran dachte, dass er sich losreissen und jemanden oder einen anderen Hund attackieren würde. Bewusst hielt ich Abstand, da ich die Situation als gefährlich einschätzte. Der Hund trug übrigens keinen Maulkorb. Sowas geht einfach nicht!!!!!!

    Im Sommer war ich ziemlich oft schwimmen an der Donau. Auch hier fiel mir auf wie viele Menschen ihre Hunde (unbeobachtet!) frei zwischen den anderen Menschen, die sich auf den Liegewiesen versammelt hatten, herumlaufen lassen, ohne Beißkorb. Ich finde das einfach unverantwortlich, da man nie genau wissen kann wie der Hund auf gewisse Umstände reagieren kann. Auch hier würde ich mir mehr Pflichtbewusstsein seitens der Besitzer wünschen.

    Alles alles Gute für deine Solana!

    • Eva Kaiblinger
      Posted at 14:08h, 11 Dezember Antworten

      Liebe Jasmin,
      erst jetzt sehe ich deinen unglaublich liebevollen Kommentar zu meinem Beitrag über Solana und der Katastrophe, die mich ziemlich mitgenommen hat. Leider hat mein Sonnenschein den Kampf verloren, sodass ich seit knapp zwei Monaten noch immer nicht begreifen kann, was passiert ist. Sie fehlt mir tagtäglich und hat ein richtiges Loch hinterlassen. Weihnachten rückt immer näher, was es mir aktuell schwer macht, weil das unsere ganz besondere Zeit war. Naja, das Leben ist manchmal beinhart und bekanntlich hat alles seinen Grund – ist halt die Frage, ob ich den Grund dafür jemals ergründen werde.

      Leider passiert viel zu viel an Vorfällen, ähnlich wie du sie schilderst. Hundebesitzer meinen ihre Tiere bestens unter Kontrolle zu haben und zu wissen, wie das eigene Tier denkt, tickt und agiert. Jedoch vergessen sie, dass jedes Tier Instinkte hat und niemals einzelne Situationen den folgenden gleichen, somit kann immer eine neue Situation eintreffen, die neues Verhalten provoziert. Traumata, Ängste und Instinkte können für einen Moment alles verändern. Und so großartig wir Menschen uns bezeichnen mögen, übernatürliche Kräfte haben wir nicht und können niemals ein Tier bis aufs Innerste durchschauen – verstehe also nicht ganz, warum es manchen Menschen schwerfällt derartige naturbedingte Abläufe und Gegebenheiten zu verstehen. Bin also gespannt, wie zukünftig damit umgegangen wird.

      Und dir möchte ich wie gesagt nochmals unheimlich danken. Deine Nachricht weiß ich sehr zu schätzen und bedeutet mir auch jetzt zwei Monate später erst recht unheimlich viel.

      Alles Liebe,
      Eva

  • Melanie Klien
    Posted at 19:46h, 04 Dezember Antworten

    Oh liebe Eva, wie gehts Solana??? Wir haben auch einen Familienhund zwar (wohnt bei Mama). Es würde mir das Herz brechen sowas mit zu erleben. Ich hoffe sehr, dass sie es schafft. Was sagen denn die Tierärzte dazu? Schafft sie es? Ich drück euch ganz, ganz fest die Daumen, dass ihr euch gegenseitig noch so lange wie möglich habt.

    Liebe Grüße, Melanie

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