Placevaventura | Wandersport für einen freien Kopf
"Wir wanderten nicht nur um des Sports willen. Nein, vielmehr, um unseren Gedanken freien Raum zu lassen." Die Reise in das Vulkangebiet Masca, inmitten von Teneriffa, hat uns viel über uns selbst gezeigt. Nicht zuletzt, dass Wandern nicht immer wandern ist, sondern oft Interpretationsspielraum bereithält.
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Gedankensport

Abenteuersport. Zwei Seelen. Inspirationsquelle. Gedankenreise. Rückblickend betrachtet war das letzte Jahr, mein verflixtes Jahr 2016, von zahlreichen Meilensteinen übersehen, die ich in positiver und negativer Hinsicht bestiegen und hinter mir gelassen habe. Tatsächliche Steine überwunden, habe ich letzten Juli gemeinsam mit Lebensfreundin und Comepass Kompanin Rafaela in Teneriffa. Als Sporteinheit angedacht, ließen wir uns auf viel mehr ein, als nur eine Trekkingtour.

Masca, Teneriffa, Juli 2016. Frisch im Sommerurlaub, ließen Rafaela und ich es uns nicht nehmen, einen ersten, gemeinsamen Urlaub als Freundinnen zu buchen. Doch wohin, wenn die Welt doch so viele Traumplätze bereithält?

Wie das Glück so spielt, oder besser gesagt die Wurzeln es vorgeben, zieht es meinen Vater und mich regelmäßig in den Süden ans Meer. Getrieben von unbändiger Lebensfreude und positiven Lebenszielen, ließ es sich mein Vater nicht nehmen, frühzeitig den Stecker zu ziehen und Teneriffa als seine neue Wahlheimat auszuwählen. Somit war das Reiseziel für Rafaela und mich ein Leichtes. Es ging auf die wundervollen Kanaren, meinem Zufluchtsort für eine vollständige Seelenheilung. Die Vorfreude war riesig!

Barranco Masca

Angekommen im Paradies setzte meine Erholung im Moment des Bewusstseins über die Rückkehr in die zweite Heimat sofort ein. Getrieben von Unternehmungslust versuchten wir so viel Programm wie möglich in der Woche unterzubringen. Als Geheimtipp fiel immer wieder die Schlucht von Masca, einem Bergdorf im Tenogebirge, das durch seine idyllische Landschaft, inspirierende Naturverbundenheit und dem sportlichen Anspruch zu einem Muss für Einheimische und Touristen geworden ist. Aus historischer Sicht gilt der Ort als Versteck vor den Piraten des 18. bzw. 19. Jahrhunderts und ist ein ertragreiches Vulkangebiet, das für die Landwirtschaft einige Spezialitäten zu bieten hat.

Abenteuer ins Ungewisse

Angepriesen als Juwel, siegte die Neugier und wir bereiteten uns für eine angeblich dreistündige Wanderung vor. Es hatte gefühlte 42 Grad, die sonst üblichen Winde ließen auf sich warten und wir starteten los. Aus einer intermediate Wanderung wurde eine Trekkingtour, die unsere inneren Spürhundskills, die niemals da gewesenen Pfadfindertricks und unseren Geist aufs Höchste forderte. Sportlich gesehen war es eine Herausforderung, die uns ganze vier Stunden über Stock und Stein, durch Dickicht und Felsanstiege führte. Je länger wir unterwegs waren, desto mehr stieg unsere Motivation. Oftmals kam die Frage auf „Müssen wir nun links oder rechts?“ und wir entschieden uns natürlich zig Male für die falsche Richtung, mussten umkehren und wieder on track – wie man so schön sagt. Kurz vorm Ende ging uns das Wasser aus, es war wahrlich ein Abenteuer so mittendrin in einem ausgetrockneten Flussbett inmitten der kanarischen Insel ins Ungewisse zu wandern. Dennoch möchte ich keine Sekunde dieser Erfahrung missen.

Der Sprung ins kühle Nass

Mit jedem Kilometer, den wir hinter uns ließen, fiel ein schweres Gedankenpäckchen von uns ab. Wir nutzten die Stille für Gespräche mit Tiefgang, die Zeit mit uns selbst als einzige Wanderer weit und breit, ließen uns auf Gedankenexperimente ein und vertieften unser damals, bereits inniges Freundschaftsband. Ganz nebenbei verbrannten wir Kalorien um Kalorien ohne uns darüber bewusst Gedanken zu machen. Die Zeit verbrachten wir lachend, aber oftmals auch schweigend und über das Leben sinnierend. Für unseren Geist und die altbewährte Kondition war es jede Anstrengung wert. Das Highlight unseres Abenteuers war die raue und natürliche Meeresbucht, die uns nach vier Stunden intensiver Wanderung erwartete. Durstig, fertig und überglücklich besorgten wir uns die überaus verdienten Biertschis und rannten ins kühle Nass. Einen Moment und eine Gefühlswelle, die ich niemals vergessen werde. Erleichtert und strahlend über das ganze Gesicht entspannten wir unsere Muskeln in der erfrischenden Salzlagune, dem wunderschönen, dunklen Atlantik.

Hürdenlauf Verstand

Jedem Neuankömmling und Besucher in Teneriffa lege ich diesen Trip ans Herz. Nicht nur wegen der sportlichen Betätigung und Kompensation des schlechten Gewissens, das viele haben, wenn sie auf Urlaub sind. Nein, viel mehr wegen euch selbst, um euch Zeit zu gönnen, die Tiefen und Gedankenwelten von euch selbst zu erforschen und eurer Persönlichkeit Raum zur Entfaltung zu geben. Ich habe diese vier Stunden so vieles gewonnen, vor allem Zuversicht, dass scheinbar unüberwindbare Probleme, oftmals einfach nur Gedankenkonstrukte sind, denen wir selbst zu viel Gewicht aufbürden. Am Ende bleiben sie Gedanken, zu denen es immer Lösungen gibt. Es bleibt nur einem selbst überlassen, ob man diese zulässt und überhaupt erst in Betracht zieht.

Wie funktioniert die Therapie „Wandern“ bei euch? Denkt ihr ähnlich? Ich freue mich über ehrliche, direkte Eindrücke von euch und wünsche euch einen inspirierten Sonntagabend. 🙂

Eure nachdenkliche Eva

Eva Kaiblinger
contact@placevaventura.com

Person und Bloggerin mit Herz und Leidenschaft für Sport & Fitness, Hunde und das Tanzen.

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