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Faszienfit

Vom Außenseiter zum bedeutungsvollen Mitstreiter. Faszienfitness erfährt eine immer höhere Aufmerksamkeit. Jahrelang wurden unsere Faszien in Hinblick auf Training und Sport zu Unrecht unterschätzt. Dabei sind sie bemüht, Muskeln, Nerven und Organe unseres Körpers als weiteres Teammitglied zu unterstützen und keinesfalls zu ersetzen.

Aber was sind denn nun Faszien? Der Name an sich gibt keinen direkten Aufschluss darüber, was es sein kann. Es lässt sich also auf den ersten Blick keine sinnvolle Verknüpfung herstellen. Komplex und abstrakt – das sind die ersten Attribute, die man sofort in Gedanken abspeichert. Dabei sind sie einfach nur faszinierend. Lest selbst! 🙂

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Rätselhaft

Ich möchte euch in diesem Beitrag Einblicke in die Bedeutung von Faszien geben. Aufgrund der detailreichen Tiefe der Thematik steht es mir nicht zu, ein komplexes Thema der Medizin, des Sports und des Trainings einfach mal so in einem einzigen kompakten Artikel zusammenzufassen. Deshalb werde ich euch mehrere Teile liefern, die unterschiedliche Schwerpunkte in den Fokus nehmen. Beginnend bei der wichtigsten Frage aller Fragen: Was sind Faszien?

Fakt: Jeder Mensch trägt 18 bis 23 Kilogramm Bindegewebe in sich herum.

Einfach ausgedrückt

Um nicht gleich vorweg in Rätseln zu sprechen und mit Fachjargons herumzuwerfen, stellt euch folgendes Szenario vor: Ihr geht an einer Baustelle vorbei. Vor euch seht ihr einen Rohbau, der grundsätzlich über alle Basisbaustoffe wie Kabeln, Wasserleitungen, Wände und Verputz verfügt. Es fehlen die Außenfronten, die Fenster, das Dach, die Türen und weitere Elemente, um das Gebäude zu vervollständigen. Die Basis ist also vorhanden und soweit funktionstüchtig.

Dieser Rohbau stellt unseren Körper dar, würden wir ihn gerade unterhalb unserer Hautschicht beleuchten. Die Wände bzw. Gerüste des Rohbaus sind unsere Kollagene, feste und robuste Fasern, die uns Menschen Form und Struktur verleihen. Sie stellen somit einen großen Anteil dar und sind in rund 28 Faszientypen vorzufinden.

Wenn wir unser Blickfeld nun auf die Elektrokabel und Leitungen im Rohbau wenden, stellen wir fest, dass sie flexibel, oftmals endlos lang und biegbar sind. Genauso wie unser Elastin – Elastin wie elastisch – genauso ist es auch zu verstehen. Durch seine flexible und dehnbare Struktur kann „es sich auf mehr als die doppelte Länge ausdehnen, bevor es – bei Überlastung – schließlich reißt.“ (S.20) Ein klassischer Wohlfühlort für unser Elastin ist die Blase. Gerade wer oft die Toilette besucht und eine „kleine Blase“ hat, benötigt umso flexiblere Ausführungen. Ich mach’ nur Spaß, wobei wer weiß? 😉

Kommunikationsgenies

Der Weg von A nach B. Selbst bei Baustellen ein langwieriges Unterfangen. Erstmal werden alle Bauteile produziert, in die Großfachmärkte verteilt und geliefert und dann durch die Bauleiter bestellt und auf die Baustelle final transportiert. Eine Arbeitskette, bestehend aus zahlreichen Stationen und jeder Menge Kommunikationsarbeit. Das muss gelernt sein!

Nicht anders läuft es in unserem Körper ab. Beide Baustoffe unserer Faszien – Kollagene und Elastine – werden durch eigens dafür geschaffene Zellen in den Zentren der Faszien, der Fabrik, hergestellt (Fibroblasten). Diese Hauptakteure entscheiden, wie viele Baustoffe (Kollagene und Elastine) in welchem Ausmaß und in welcher Region des Körpers gebraucht werden. Fibroblasten sind klassische Arbeitstiere. Die Bauarbeiter, wenn ihr so wollt. Sie brauchen einen Befehl von außen, dann wird brav gearbeitet. Dieser Befehl von außen sind in dem Fall Belastungen bzw. Bewegungen im Training. So brav die Arbeitsbienen auch sind, nichts geht über die Kommunikation! Nun sind also die Bauleiter gefragt.

Also, die Kommunikation. Ja selbst Fibroblasten kommunizieren und tauschen sich aus und zwar über Botenstoffe. Diese Kommunikation findet über eine Flüssigkeit (= Grundsubstanz) statt und vereint viele vitaminreiche Stoffe wie Immunzellen, Lymphzellen und viele weitere Substanzen, die positiven Einfluss auf das Immunsystem nehmen.

Die Kommunikation läuft also im Falle unseres Körpers über flüssige Mittel ab. Das sollte definitiv keine Anspielung und Potenzial für zweideutige Gedanken liefern, aber kommen wir zu dem Schluss, dass in unserem realen Beispiel Bauarbeiter auf der Baustelle ebenfalls ständig kommunizieren müssen, um nach Plan und Struktur zu arbeiten und keine Verzögerung zu gefährden. Immer mit Absprache des Bauleiters natürlich.

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Zurück zum Ursprung

Um nicht in abstrakten Begriffen zu sprechen, sind Faszien auch besser bekannt als unser muskuläres Bindegewebe. Und ja, unser Gewebe hat Einfluss auf unseren Bewegungsapparat, sehr großen sogar. Sie bestehen aus Proteinen und Wasser und sind sozusagen der Urbaustoff unseres Körpers, der uns die Form und Struktur verleiht und Organe und Muskeln umhüllt. Je nach Vorkommen im Körper sind Faszien unterschiedlich strukturiert und aufgebaut. Ein Netzgebilde, das einmal durch festere oder „lockerer geknüpfte Stränge“ auffällt. Oder einen höheren oder niedrigeren Flüssigkeitsanteil aufweist. Selbst die Flexibilität zeigt Varianz auf. „Dieses Netz kann sowohl dehnbar als auch dicht, zug- und reißfest oder weich und lose sein.“ (Faszien-Fitness von Robert Schleip, S.19)

Fakt: Unser Bindegewebe speichert ein Viertel des gesamten Körperwassers.

Arbeitsalltag Faszien

Die Faszien sind also ein komplexes Konstrukt, ein System, „das den ganzen Körper durchdringt und das sowohl allgemeine als auch einige sehr spezifische Aufgaben hat.“ (S. 19)

Medium und zentraler Bestandteil einer Faszienbehandlung ist der Flüssigkeitsanteil in den Faszien – die Grundsubstanz. Durch die Anwendung verschiedener Techniken und gezielter Bewegungen wird ein Flüssigkeitsaustausch initiiert, der immer stattfindet, aber unterschiedliche Zwecke erfüllt, je nach Typ des Bindegewebes.

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Grundsätzlich lassen sich die Funktionen unserer Faszien auf vier primäre Faktoren zusammenfassen:

  • Form

Nochmals zur Wiederholung, damit ersichtlich wird, wie faszinierend unsere Faszien sind. Es benötigt rein nur Faszien, um zu erkennen, wie eine Person aussieht. Muskeln und Knochen sind also nicht maßgeblich für die Strukturgebung unseres Körpers. Schlaue Fasern, diese Faszien!

  • Bewegung

In der Weise sorgen Faszien zudem für die notwendige Spannung in unseren Muskeln, unserem Körper. Sie übertragen die Kräfte von außen und innen, bewegen unsere Glieder demnach und geben uns Polsterung und Schutz. Wahre Kraftkerle!

  • Versorgung

Unser Bindegewebe ist unentbehrlich für sowohl mechanische Funktionen des Menschen, als auch physiologische Leistungen. Da es auf unseren gesamten Körper verteilt ist und sich den Platz mit Muskeln und Organen teilt, sind Faszien im Zellstoffwechsel nicht mehr wegzudenken. Wie bereits oben erwähnt, transportiert es essentielle Substanzen und Zellstoffe und steht unserem Immunsystem helfend zur Seite.

  • Kommunikation

Kommunikation ist alles – das haben eben auch Faszien erkannt und eine nicht minder geniale Kommunikationsstrategie entwickelt. Kommt es in unserem Körper zu Verletzungen bzw. Störungen im Kommunikationsnetz, werden alle zuständigen Stationen in unserem Organismus verständigt. Die Folge sind „körperweite Reaktionen und Stressantworten im Bindegewebe.“ (S. 27) Effizient und teamorientiert – wenn das mal nicht imponiert!

Genial und doch komplex. Die Frage nach dem „Was?“ sollte hiermit nun die entscheidenden Antworten liefern. Aber wie sieht es denn nun mit dem „Wie?“ und dem „Warum?“ aus? Es erwarten euch die Prinzipien des Faszientrainings, kurz: welchen Alltag erleben Muskeln und Faszien und wie könnt ihr davon profitieren?

Im nächsten Teil wird es also alltagsnah, realistisch und praktisch. Einfach faszinierend!

Eva Kaiblinger
contact@placevaventura.com

Person und Bloggerin mit Herz und Leidenschaft für Sport & Fitness, Hunde und das Tanzen.

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